Leitwort Pfarrbrief

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Datum:
Di 25. Aug 2020
Von:
Diakon Wolfgang Türlings

Liebe Mitchristen, heute besonders liebe Kevelaerpilger in Born, Bracht und Brüggen!

Dass in diesen Zeiten alles anders geworden ist, als wir es in unserem kirchlichen und privaten Leben gewohnt sind, das ist natürlich eine Binsenweisheit.

Besonders spürbar ist es in unseren traditionell gefeierten Festen, aber auch in unseren gewohnten kirchlichen Bezügen: Es hat z.B. keine Fronleichnamsprozession geben können und die Schützenfeste sind landauf- und landab genauso abgesagt, so wie vieles andere.

Davon sind nun leider auch unsere Wallfahrten nach Kevelaer betroffen. Es wird in Born und in Bracht in kleinem Rahmen versucht zu retten, was zu retten ist. Viele Menschen machen sich viele Gedanken was denn trotz allem noch möglich ist.

Die Sehnsucht nach Maria, der Trösterin der Betrübten, ist groß.

Ich bemerke das auch immer wieder, wenn ich bei Trauergottesdiensten anschließend am Grab mit den Angehörigen das Lied „Maria breit den Mantel aus“ singe. Ich spüre dann, wie sehr gerade dieses Lied nicht nur immer noch bekannt ist, sondern auch die Herzen der Menschen berührt.

Maria als Trösterin, als Fürbittende bei Gott, als Anker und Vertraute in schwierigen Lebenssituationen. Maria als Bindeglied und Wegbereiterin zu Jesus.

Sie zeigt immer wieder den Weg auf, der auch zu Gott selbst führt. Der Leitgedanke der diesjährigen Kevelaerwallfahrtszeit nimmt Bezug auf das Buch Exodus im Alten Testament. Dort wird im Kapitel 3,14 die Szene geschildert, in der Moses am brennenden Dornbusch Gott nach seinem Namen fragt, weil auch er nach dem Namen des Höchsten von seinem Volk gefragt werden wird.

Gott sagt ihm nur als Antwort: Du sollst zu den Israeliten sagen „Ich bin der ich bin da“ oder in anderen Übersetzungen „Ich werde sein, der ich sein werde“.

Martin Buber hat das ganz wunderbar ein wenig anders übersetzt in: „Ich bin da, wo du bist“.

So ist dieser sich Mose offenbarende Gott keiner, der in der Ferne thront, sondern einer, der dir und mir immer nahe sein will: Ich bin da. Ich bin für dich da. Ich bin da, wo du bist.

Und wenn wir nicht immer direkt unsere Gedanken und unsere Gebete, Hoffnungen und Wünsche – warum auch immer – vor Gott tragen können, so ist Maria diejenige, die uns hilft, die uns aus ihrer Lebensgeschichte heraus zu Gott führen will.

Wenn wir also in diesem Jahr auf unsere Wallfahrten verzichten müssen, so können wir uns doch mit Maria auf einen inneren Weg machen. Vielleicht schenkt uns das ja auch noch einmal einen neuen Impuls auf unserem Glaubensweg und dieser Weg, den wir dann gehen, wird hoffentlich nicht ein steiniger, sondern ein froh machender sein. Das wünscht Ihnen und euch ganz herzlich:

Diakon Wolfgang Türlings