Nicht erschrecken - … in einem halben Jahr ist Heiligabend!

didgeman-johannis-herbs-5295971_1920 (c) Pixabay
Datum:
Di. 19. Mai 2026
Von:
Hiltrud Heitzer, Gemeindereferentin

In der Mitte des Jahres angekommen, der Sommer beginnt und am 24. Juni, dem Geburtsfest Johannes des Täufers, sind es genau noch 6 Monate – und wir feiern Weihnachten, das Geburtsfest Jesu!

Die Lebensgeschichten von Johannes und Jesus waren stets eng miteinander verwoben – und das schon in den Anfängen ihres Lebens. So berichtet das Lukasevangelium, dass in der Begegnung der schwangeren Cousinen Elisabet und Maria das noch ungeborene Kind, Johannes, vor Freude im Bauch seiner Mutter hüpfte. (Lk 1, 39 ff)
Und was ist aus diesem Kind geworden?! 

Johannes hat als Täufer Karriere gemacht und ist bekannt vom Jordan bis hinauf in die Hauptstadt. Er tritt radikal auf, nimmt kein Blatt vor den Mund und klagt das Unrecht an. Vielen gefällt diese Klarheit, folgen ihm, verändern ihr Leben und lassen sich taufen. 

Doch dann taucht Jesus in seinem Leben auf. Ist dieser nun ein Konkurrent für ihn?! 
Verliert Johannes nun an Ansehen und Macht?!
Im Gegenteil: Johannes weiß, wer ‚stärker‘ ist und nimmt sich selbst zurück. Er verweist auf Jesus, den Sohn Gottes. „Das Volk war voller Erwartung und alle überlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ (Lk 3, 15 + 16)
Um wieviel freier und friedvoller würde es in unserer Welt zugehen, wenn Verantwortliche in Politik, Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft solch eine souveräne, emanzipierte Haltung einnehmen würden! Wie entspannt würden Menschen in unseren Firmen arbeiten können, wenn Vorgesetzte und Mitarbeitende nicht nach Macht, Anerkennung und Selbstdarstellung lechzen würden. Aus welchem Selbstverständnis heraus handeln wir?!

Die Haltung von Johannes imponiert mir. Sie sagt mir als Christin: Bei allem, was ich tue oder denke, geht es nicht darum, mich in den Mittelpunkt zu stellen, sondern hinzuweisen auf etwas, das größer ist als ich: auf Gott. 
Ziel des Lebens ist, immer durchlässiger zu werden für Jesus Christus. Seine Botschaft der Liebe ist Maßstab für mein Leben und mein Tun – und nicht mein Wille, mein Denken und meine Eitelkeiten.
Johannes verweist darauf, das eigene Ego loszulassen und – wie er – auf Christus hinzuweisen. Diese Haltung finden wir in vielen bildlichen Darstellungen von Johannes dem Täufer wieder. So zeigt die Figur des heiligen Johannes im Eingangsbereich von St. Bartholomäus auf das Lamm; Jesus als Lamm Gottes, das sein Leben hingibt für uns Menschen. 

Im Johannes-Evangelium finden wir einen weiteren Satz, der die Zurückhaltung des Johannes unterstreicht: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Joh 3, 30). 

Und in diesem Zusammenhang ist es auch passend, dass das Johannesfest in unmittelbarer Nähe zur Sonnenwende steht. Die Sonne kommt an ihren Gipfelpunkt. Ab da werden die Tage kürzer; die Sonne nimmt wieder ab, bis sie dann an Weihnachten wieder zunimmt. 
Der längste Tag und die längste Nacht – sie bilden die beiden Pole eines Kreislaufs, der unser christliches Jahr umfängt. Deshalb ist es angemessen am 24. Juni schon einmal auf den 24. Dezember vorauszuschauen.
Denn dieser Tag ist wie ein großer Richtungsanzeiger: Dort ist das Ziel, der halbe Weg ist schon geschafft!

Auch wenn die Länge der Sonnentage abnimmt, so möge die innere Sonne, Jesus selbst, immer mehr unser Leben durchleuchten.

Das wünscht Ihnen und Euch in dieser Sommerzeit,
Hiltrud Heitzer, Gemeindereferentin

Übrigens: Das leuchtend gelbe Johanniskraut ist nach dem Heiligen benannt. Dieses alte Hausmittel hilft nicht nur bei Hautverletzungen. Es fördert die Lichtdurchlässigkeit der Haut und das hat psychische Bedeutung: es wird bei Niedergeschlagenheit empfohlen. 
Wie schön, so fördert Johannes auch das seelische Wohlbefinden. 

Herzlichen Glückwunsch zum Namenstag den Gemeinden in Born, Bracht und Brüggen!